Muttertag – ein Frauenleben.

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Sie war Bäuerin.

Ein kleiner Hof, sieben Kühe, Hühner und Enten, ein paar Tagwerk Wald, ein wenig Ackerland, etwas Grünfläche. Gelegen in einem landschaftlichen Kleinod, nicht weit von der Stadt entfernt. Drei Kinder. Der Mann krank, mit Anfang 60 gestorben.

Gearbeitet, gekämpft, die Interessen der Kinder durchgesetzt. Töchter und Sohn wohnen mit ihren Familien unmittelbar bei der Mutter, ein kleines Dorf ist entstanden. Die Häuser der Kinder groß, repräsentativ, fast prächtig – stehen in Kontrast zum bescheidenen kleinen Bauernhaus. Häuser, die ohne die Mutter niemals möglich gewesen wären. Ein kleines Paradies zum leben, Kinder groß zu ziehen, sein Glück zu finden.

Sie war die Chefin. Die Landwirtschaft aufgegeben, Wald und Fläche verpachtet. Enkelkinder betreut, Besitz zusammengehalten, den Wert erhalten. Als sie dann älter und schwächer wurde, alles den Kindern übergeben. Die Kinder gesund, mit viel Zeit, Raum, Unabhängigkeit. Sie war die Chefin.

Jetzt ist sie 89, körperlich eingeschränkt, geistig wach und klar und lebt seit zwei Monaten – gegen ihren Willen – im Altenheim. Ihre neuen Nachbarn sind mehrheitlich dement, sie ist verletzt, einsam, betrogen. Sie möchte sterben.

Gestern war Muttertag, es waren sicher alle Kinder zu Besuch.

 

 

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6 Kommentare zu “Muttertag – ein Frauenleben.

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