Muttertag – ein Frauenleben.

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Sie war Bäuerin.

Ein kleiner Hof, sieben Kühe, Hühner und Enten, ein paar Tagwerk Wald, ein wenig Ackerland, etwas Grünfläche. Gelegen in einem landschaftlichen Kleinod, nicht weit von der Stadt entfernt. Drei Kinder. Der Mann krank, mit Anfang 60 gestorben.

Gearbeitet, gekämpft, die Interessen der Kinder durchgesetzt. Töchter und Sohn wohnen mit ihren Familien unmittelbar bei der Mutter, ein kleines Dorf ist entstanden. Die Häuser der Kinder groß, repräsentativ, fast prächtig – stehen in Kontrast zum bescheidenen kleinen Bauernhaus. Häuser, die ohne die Mutter niemals möglich gewesen wären. Ein kleines Paradies zum leben, Kinder groß zu ziehen, sein Glück zu finden.

Sie war die Chefin. Die Landwirtschaft aufgegeben, Wald und Fläche verpachtet. Enkelkinder betreut, Besitz zusammengehalten, den Wert erhalten. Als sie dann älter und schwächer wurde, alles den Kindern übergeben. Die Kinder gesund, mit viel Zeit, Raum, Unabhängigkeit. Sie war die Chefin.

Jetzt ist sie 89, körperlich eingeschränkt, geistig wach und klar und lebt seit zwei Monaten – gegen ihren Willen – im Altenheim. Ihre neuen Nachbarn sind mehrheitlich dement, sie ist verletzt, einsam, betrogen. Sie möchte sterben.

Gestern war Muttertag, es waren sicher alle Kinder zu Besuch.

 

 

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2016 – Vorschau!

006Was erwartet mich  2016?

Ab Frühling eine (neue) Arbeit, aus einem Stunden-Job wird eine Festanstellung.                            Die Existenzsicherung ist fürs erste geschafft.

Das persönliche Glück – fragil, auf dünnem Eis, einander haltend, Herz, Hand und Verstand.

Träume – die Kraft für Verwirklichungen des einen oder anderen Traumes ist da.

Albträume – weg damit!

Mein Befinden  – gesund, schlank und schön.

Nur eine Bitte – liebe Zeit, renn doch nicht  so furchtbar schnell, du zerrinnst mir immer so zwischen den Fingern …

 

November.

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Wenn sich die Räder nicht mehr drehen.

Wenn die Not des anderen zu deiner Not wird.

Wenn die Umarmung nicht mehr umarmen darf.

Wenn der Trost nicht tröstet.

Wenn du tragen sollst, was du nicht tragen kannst.

Wenn das Leben des anderen für dich zu schwer wird.

Wenn auch du häßlich wirst.

Wenn die Tränen nicht mehr zu halten sind.

Wenn die Liebe alleine bleibt.

Wenn dein Leben in Trümmern vor dir liegt.

Über 50, über Existenzfragen und Freundschaft!

Über 50, über Existenzfragen und Freundschaft!

 

Was macht eine Frau mit Mitte 50, der in absehbarer Zeit die Arbeitslosigkeit droht?

Richtig, sie denkt nach, steht auf und beginnt zu gehen.

Ein erster Schritt zur Existenzsicherung ist gemacht. Ein neuer Beruf – der dritte im Quereinstieg nach dem Studium und derzeit zusätzlich zum Hauptberuf – ist in Angriff genommen. Unterstützung kam still, wie selbstverständlich, unerwartet von einer Freundin. Da sieht dich jemand, macht sich Gedanken um dich, unterbreitet dir konkrete Angebote und setzt sich für dich ein. Eine win-win-Situation für beide. Ein Freundschaftsbeweis unter Frauen, jenseits lustiger Mädelsgespräche.

Und der Hauptberuf? Wenig  Stellenangebote, wenig Perspektive für eine Frau in meinem Alter, 25 Jahre Berufserfahrung  stecken halt nicht in einer 20-jährigen Berufsanfängerin . 🙂

Die persönlichen Konflikte, Vorgaben und Reformen (.. ich zähle nicht mehr mit ..) gegen besseren Wissens umsetzen zu müssen, werden auch nicht weniger. Alles ist schlechter geworden, zu viele Laien bestimmen in unserem Bereich unser Handeln – die Verantwortung bleibt  alleine bei uns.

Aber  die neue Arbeit macht Spaß, der Angstring um den Brustkorb hat ein wenig nachgegeben, es regt sich der alte Aufbruchsgeist in mir, lernen ist immer schön und die Denkerbse läuft auf Hochtouren.

Also auf, die  Gegenwart gestalten und die Altersarmut zumindest graduell bekämpfen!

 

Der Traum vom Glück!

Der Traum vom Glück!

Seit einigen Jahren sind meine Eltern tot. Der Vater starb 1998, die Mutter 2009. Den zweiten Weltkrieg haben sie überlebt, mit sichtbaren und vielen unsichtbaren Narben.

Die wenigen Fotos zeigen ein schönes Paar, verliebt, elegant. Sie haben geheiratet – nein, nicht in weiß, sondern Mutter im selbstgeschneiderten taubenblauen Kleid. Die Taille so schmal, das es mir mit 15 Jahren bereits zu eng war ( .. mit 15 war ich auch noch gertenschlank..). Der Vater in einem eleganten dunklen Anzug. Es gab keine rauschende Feier, das wenige Geld was sie nach dem Krieg hatten, wurde gespart für die geplante Familie.

Und dann kamen die Kinder, die Wohnung zu eng, die Arbeit zu viel, das Geld zu knapp. Und der Vater auf dem Weg zu seinem Traumberuf – er wurde Lehrer. Die Umstände wurden besser, ein kleines Reiheneckhaus mit Garten wurde zum Heim. Mit dem Größerwerden der Kinder wurden auch die Sorgen größer. Im Rückblick schienen sie merkwürdig unvorbereitet auf das Heranwachsen ihrer Kinder.

Die Mutter war die praktische Kraft, die Kommunikative, die Arbeitsame – kochen, backen, waschen, putzen, flicken, den Garten bewirtschaften. Ihre Liebe war das Singen im Kirchenchor. Wenn Mutter bei der Arbeit sang, war sie mit sich im reinen. Sie hielt und pflegte den Kontakt nach außen. Sie konnte über den Krieg sprechen, die Bombenangriffe über Düsseldorf, die Angst, den Hunger, all das Erlebte.

Der Vater versunken in seinen Büchern, die Zigaretten selbstgestopft, am Sonntag ein Glas Bier, Kaffee ohne Ende. Anfangs glücklich in seiner Arbeit. Uns kleinen Kindern ein liebevoller, umsorgender Vater. Als wir dann größer und schwieriger wurden wurde er zusehends hilfloser mit uns. Er vergrub sich immer mehr in seinen Büchern. Auch jetzt sorgend und liebevoll, aber immer mehr auf dem Rückzug in sich selbst. Er hatte genug von den Problemen anderer, wollte seine Ruhe. Über seine Erlebnisse als Soldat im zweiten Weltkrieg, in Russland hat er nicht gesprochen. Ich kann mich nicht erinnern.

Die beiden zusammen haben es sich selbst nicht leicht gemacht, das anfängliche Glück ist sicher zwischen die Räder des Alltags gekommen. Aber sie haben zusammengehalten, kleine Gesten und Berührungen, die Vertrautheit miteinander, einen Zipfel Glück konnten sie festhalten und sich gemeinsam erfreuen.

Wir Kinder sehen all das, was sie falsch gemacht haben, was unbedingt anders und besser hätte laufen müssen und können. Jedes einzelne Kind auf seine Weise und aus seinem Erleben.

Zuerst starb Papa und zurück blieb auch ich mit meinem Gewissen, keine Gelegenheit mehr, um Verzeihung zu bitten. Niemals mehr. Endgültig. Ich bin mir sicher, er hätte sich gefreut. Vielleicht hätte auch er mir noch etwas sagen wollen.

Jahre später starb Mama. Nach dem Tod ihres Mannes hat sie ihr Leben noch einmal kraftvoll in die Hand genommen und sich ein Lebensumfeld gesucht, wo sie noch einmal glücklich war.  Bis zum Schluß war sie dabei, hat ihre Beerdigung geplant, Abschied genommen von wem sie Abschied nehmen konnte. Den letzten tiefen Kummer hätten wir ihr gerne erspart, es lag nicht in unserer Hand. Das Leben ist langsam aus ihr herausgeschlichen. Sie starb in den vertrauten Armen meiner Schwester und meines Bruders.

Erst mit dem Tod erfühlt man das, was der Kopf weiß: das Leben ist kurz. Gelegenheiten muß man wahrnehmen, solange es geht. Sie kommen nicht wieder. Das Glück hat viele Gesichter und ist so flüchtig. Viel zu viel „wasted time“, vertan mit Dummheit, Streit und Sinnlosigkeit. Mit Ü50 blickt man anders auf die Zeit.

Doch was bleibt vom Leben?

Nochmal zwischengebloggt!

Der Tag gestern begann mit einem Lächeln und endete mit zerbrochenen Fensterscheiben.

Dazwischen lagen acht Stunden Arbeit, ein Jobangebot mit Vorstellungsgespräch, ein Auto zum TÜV, einmal Winterreifen runter und Sommerreifen drauf beim anderen Auto, zwei Satz Felgen saubermachen (es rächt sich immer, was man im Herbst nicht erledigt !), Suche nach Klappergeistern im Lieblingsauto,  natürlich nicht gefunden, dafür nebenbei andere Kleinigkeiten schnell „repariert“, bleibt trotzdem Lieblingsauto, Werkstatt aufräumen und saubermachen, Heimfahrt (50 km) mit zwei Rennsemmeln, heute nix GNTM – viel zu spät dran, Auto Nr.1 in Garage, alles schön zu, „gibst du mir den Schlüssel fürs Haus?“ …..lange Pause ……… „der ist im Auto (Nr.1)..“ „………………….hhhhhhhhhhhmmmmpffffffffffffff…………….“  Kummervoller Blick auf meine mit Felgendreck versaute, hellgraue Kaschmirjacke, ob das wohl rausgeht aus den Ärmeln?….. langsam wird’s kalt, dunkel ist es schon ….  Garage hat drei Zugänge: Tor vorne – keine Chance, Seiteneingangstür – keine Chance, ein Seitenfenster … alt und eine Seitenscheibe hat schon einen Sprung… also, nach guter, alter Einbrecherart: großen Stein nehmen, mein Halstuch drumwickeln und beherzt draufhauen. Es erübrigt sich natürlich darauf hinzuweisen, daß ICH – weiblich, fast 55, zu alt für den Arbeitsmarkt, fast schon Seniorin usw.  – haben die alle einen Knall? – durchs Fenster einsteigen muß, auf der Innenseite auf der dicken Berta lande, die zur Begrüßung fröhlich von hinten nach vorne wippt und wieder zurück, und Tor auf – war was?

Weitere Einzelheiten erspar ich uns jetzt, auf jeden Fall um 2.00 Uhr im Bett, jetzt auch wieder mit einem Lächeln.

Ach ja – und die „schönste Frau der WELT“ ! ist Sandra Bullock, mit 50! Geht doch!!!! Und kommt aus Nürnberg!

Heute früh noch drei dicke Extraminuten unter der Decke und dann los mit Lieblingsauto in einen schönen, kalten Frühlingsmorgen…

Zwischengebloggt!

Vor knapp mehr als zwei Monaten habe ich diesen Blog jetzt auf die digitale Reise geschickt.

Motiviert hat mich, weil ich weder in den Printmedien noch digital ein halbwegs lebensnahes Bild meiner weiblichen Altersgruppe wiedergefunden habe. Gemessen an unserer Anzahl völlig unterrepräsentiert.

Ich stelle fest:

offenbar geht es nicht nur mir so. Ich merke, mein kalendarisches Alter ist gar nicht wichtig, für mich. Es ist ein tolles Spannungsverhältnis von Nähe und Distanz – eigentlich einander völlig fremd, korrespondiert man miteinander. Albern, fröhlich, ernst, traurig – ich glaube sogar: aufrichtig. Quer durch ein Kaleidoskop der unterschiedlichsten Menschen und Leben. Freude über „gefällt mir“ – oft überraschend und an unerwarteter Stelle –  und wohlwollende Kommentare. So ein Blog hat einen gewissen Suchtfaktor. Es macht sehr viel Spaß, ich lache mindestens einmal am Tag. Ich mache weiter.IMG_0068