Muttertag – ein Frauenleben.

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Sie war Bäuerin.

Ein kleiner Hof, sieben Kühe, Hühner und Enten, ein paar Tagwerk Wald, ein wenig Ackerland, etwas Grünfläche. Gelegen in einem landschaftlichen Kleinod, nicht weit von der Stadt entfernt. Drei Kinder. Der Mann krank, mit Anfang 60 gestorben.

Gearbeitet, gekämpft, die Interessen der Kinder durchgesetzt. Töchter und Sohn wohnen mit ihren Familien unmittelbar bei der Mutter, ein kleines Dorf ist entstanden. Die Häuser der Kinder groß, repräsentativ, fast prächtig – stehen in Kontrast zum bescheidenen kleinen Bauernhaus. Häuser, die ohne die Mutter niemals möglich gewesen wären. Ein kleines Paradies zum leben, Kinder groß zu ziehen, sein Glück zu finden.

Sie war die Chefin. Die Landwirtschaft aufgegeben, Wald und Fläche verpachtet. Enkelkinder betreut, Besitz zusammengehalten, den Wert erhalten. Als sie dann älter und schwächer wurde, alles den Kindern übergeben. Die Kinder gesund, mit viel Zeit, Raum, Unabhängigkeit. Sie war die Chefin.

Jetzt ist sie 89, körperlich eingeschränkt, geistig wach und klar und lebt seit zwei Monaten – gegen ihren Willen – im Altenheim. Ihre neuen Nachbarn sind mehrheitlich dement, sie ist verletzt, einsam, betrogen. Sie möchte sterben.

Gestern war Muttertag, es waren sicher alle Kinder zu Besuch.

 

 

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Über Trauer.

Gestern haben wir Abschied genommen von einer 99-jährigen Dame. Ihr Lächeln, der freundliche, dankbare, hilflose und auch einsame Blick aus ihren hellen Augen. Die warmen Hände. Der klare Geist. Dankbar, daß uns das Schicksal oder auch der da oben noch ein letztes Mal gegen alle Planung zu ihr geführt hat. Sie hat wohl gespürt, daß wir uns in dem Leben nicht wiedersehen. Leider konnte ihr nicht mehr geholfen werden, wir hätten es uns für sie so gewünscht. Heute Nacht hat sie uns verlassen.

 

Und meine Seele spannte

weit ihre Flügel aus,  

 flog durch die stillen Lande,

als flöge sie nach Haus.

Joseph Freiherr von Eichendorff

 

 

 

 

Zwischengebloggt!

Vor knapp mehr als zwei Monaten habe ich diesen Blog jetzt auf die digitale Reise geschickt.

Motiviert hat mich, weil ich weder in den Printmedien noch digital ein halbwegs lebensnahes Bild meiner weiblichen Altersgruppe wiedergefunden habe. Gemessen an unserer Anzahl völlig unterrepräsentiert.

Ich stelle fest:

offenbar geht es nicht nur mir so. Ich merke, mein kalendarisches Alter ist gar nicht wichtig, für mich. Es ist ein tolles Spannungsverhältnis von Nähe und Distanz – eigentlich einander völlig fremd, korrespondiert man miteinander. Albern, fröhlich, ernst, traurig – ich glaube sogar: aufrichtig. Quer durch ein Kaleidoskop der unterschiedlichsten Menschen und Leben. Freude über „gefällt mir“ – oft überraschend und an unerwarteter Stelle –  und wohlwollende Kommentare. So ein Blog hat einen gewissen Suchtfaktor. Es macht sehr viel Spaß, ich lache mindestens einmal am Tag. Ich mache weiter.IMG_0068